Marrakesch und Essaouira im März 2017

Im März 2017 reiste ich mein erstes Mal in den Orient. Nach den langen Wirren um den arabischen Frühling und seinen Folgen die auch den Krieg um Syrien breffen, entschied ich mich für Marokko. Marokko ist ein sehr westlich orientiertes Land, dass aber seinen Ursprung nicht vergessen hat. Aus dem kalten Österreich kommend, empfing mich am Flughafen gleich eine warme Brise.

 

Mit dem gebuchten Taxi ging es gleich rein in das quirlige Marrakesch. Überall sind Menschen unterwegs, es duftet überall nach köstlichen Essen. Im Riad (Stadthaus das zu einem kleinen, familiären Hotel umgebaut wurde) angekommen setzte ich mich erst mal mit meinem noch übrigen Proviant auf die Dachterrasse. Sofort sah ich das Minarett der Ben Saleh Moschee und zum Abendgebet rufte der Muezzin auch noch aus. Was für fremde aber wohlklingende Worte er den gläubigen entgegen 'singt'. Es ist schon spat und ich beschließe nicht mehr los zu gehen und bleibe im Riad.

 

Mein erster richtiger Tag in Marrakesch beginnt mit einem typisch marokkanischen Frühstück das sehr süß ist. Dazu frisch gepressten Orangensaft und "Berber-Whiskey" - Minztee :-)

Mein erster Weg führt mich an den Djemaa el Fna, der große Hauptplatz in Marrakesch wo sich alles tummelt. Ich schlendere herum und trink einen Café au lait im Café de France. Obwohl ich hier auch zu Mittag essen werde, ist es nicht meine erste Empfehlung hier zu essen oder einen Café zu genießen. Da gibt es bessere und günstigere Restaurants.

 

Als erstes möchte ich mir die Moschee Koutoubia bzw. das Minarett und das Gelände darum ansehen. Leider darf man als Nicht-Moslem in ganz Marokko (außer in Casablanca) keine Moschee betreten. Das ist noch ein Überbleibsel aus dem französischen Protektorat... Die Moschee ist aber von außen auch beeindruckend. Das Minarett ist von jeder Seite anders gestaltet. Wunderschöne Fotomotive mit Palmen und Orangenbäumen bieten sich hier an.

 

Aber nun geht es auf in den Souk (marokkanischer Basar) der sich gleich an den Djemaa el Fna anschließt. Ich rate jedem einfach rein und sehen wo man wieder raus kommt, denn unweigerlich verläuft man sich :-) Die Ladenbesitzer helfen einem aber wieder den richtigen Weg zurück zu finden.

Überall wird man in die Shop's gebeten und die vielen Farben von Tüchern und wunderschönen Kaften, Gerüche der Gewürzhändler und funkeln der orientalischen Lampen versetzen mich ins Staunen. Stundenlang kann man über den Souk flanieren. Nach ein paar ersten Einkäufen gehe ich zurück ins Riad und mache mich nach einer Verschnaufpause wieder auf in das abentliche Getümmel am Djemaa el Fna.

 

Hier wird am Abend der Platz zur Freiluftküche und open Air Arena mit Trommlern, Musikern und Tänzerinnen. Ich stelle mich in den Kreis der Zuschauer und sehe den komplett verschleierten Tänzerinnen zu wie sie die Münztücher um ihre Hüften zum schwingen bringen. Doch moment mal, ich stutze und betrachte mir die Hände der Frauen. Das sind ja gar keine Frauen die tanzen, sondern Männer!!! Hier ist es doch noch traditionell so, dass die Männer als 'female, male dancer' tanzen. Gegen einen kleinen Obulus darf ich mit ihnen tanzen und ich habe irrsinnig viel Spaß dabei, denn ein Trommler erkennt, dass ich auch auf Rythmen tanzen kann und schlägt auf seiner Darbuka einen Masmoudi an. Dum Dum Tek Dum Tek, Dum Dum Tek Dum Tek... Die Hüften wippen und ich tanze und genieße das Publikum. Für mich als Tänzerin ist dieser erste Abend auf dem Platz der absolute Höhepunkt.

 

Ich lasse mich an diesen Abend wie die Touristen als auch die Marrackis über den Platz treiben und sehe noch Boxkämpfe, Berbermusiker, Schlangenbeschwörer und Hennamalerinnen. Gegen Mitternacht gehe ich in mein Riad zurück. Was für ein erster Tag :-)

 

Montagmorgen starte ich wieder mit dem süßen marokkanischen Frühstück und mache mich danach in die südliche Medina auf. Als erstes sehe ich mir den Palais de Bahia an . Dieser wurde im späten 19ten Jahrhundert erbaut und ist in jedem Raum mit wunderschönen Schnitzereien und Malereien verziert.

Gleich in der Nähe ist der Palais El Badi aus dem 16ten Jahrhundert. Er war einst die größte und prächtigste Palastanlage in ganz Marokko. Erbaut durch den saadischen Sutlan Ahmed el Mansour der seinen Palast mit Juwelen verzieren lies, sind leider durch die nachfolgende Dynastie der Alaouiten nur noch die Grundmauern erhalten. Man kann aber immer noch erahnen wie prächtig er einmal war.

 

Für heute hatte ich genug Kultur und schlender wieder über den Djemaa el Fna und tauche auch wieder in den Souk ein. Den späten Nachmittag genieße ich noch in der Sonne und einem guten Buch auf der Dachterrasse meines Riads und gehe früh schlafen. Morgen geht es früh los nach Essaouira.

 

Ich hab mich entschlossen, dem Stadtleben für heute zu entfliehen und fahre mit dem Bus (Supratours) nach Essaouria. Die kleine Stadt liegt am Atlantik und ist auch als 'Stadt des Windes' bekannt. Schon auf der Busfahrt dahin verändert sich die Landschaft von einer Steinwüste in eine hügelige Ebene und ich denke ich bin in der Toskana. Nur mit Minaretten darin :-) Essaouira ist bezaubernd. Die kleine Hafenstadt hat genau wie Marrakesch auch eine Medina (Altstadt) die einen Souk beinhaltet. Die Händler sind hier nicht ganz so forsch, haben aber die gleichen Tricks um Kundschaft in ihre Shop's zu bekommen. Ich habe Hunger und frage bei einem Shopinhaber nach, wo man richtig gut essen kann. Er führt mich durch ein paar Gassen und bringt mich in ein verschwindend kleines Lokal. Und wirklich, hier esse ich die beste Gemüse Tajine in meinem ganzen Urlaub. Während ich esse bekomme ich Gesellschaft von einer Katze die sich an mich schmeichelt. In ganz Essaouira sind Katzen und diese werden auch sehr gerne gesehen. Auch in Marrakesch fällt mir auf, wie behutsam mit den Tieren umgegangen wird.

Nach ein paar schönen Stunden in der Medina, dem Hafen und am Strand fahre ich auch schon wieder nach Marrakesch zurück. Ich freue mich schon auf eine Garküche auf dem Djemaa el Fna und lerne dort noch für diesen Abend ein paar Touristen kennen. Ich freue mich nach diesen wunderschönen aber langen Tag auf mein Bett und schlafe auch bis um 5.00 Uhr als der Muezzin zum Gebet ruft durch.

 

Nach dem gemütlichen Frühstück mache ich mich in die nörliche Medina auf. Genauer gesagt zur Medersa Ben Youssef. Diese ehemalige Koranschule (erbaut im 14ten Jahrhundert), die bis zu 900 Schuler im Jahr unterrichtete, ist nun für Touristen zugänglich.  Auch dieses Gebäude ist wieder wunderschön gestaltet mit Steinschnitzereien, wunderschönen Fliesenarbeiten und Holzmalereien. Es ist ein schöner Ort zu verweilen und ich mache hier so einige Fotos. Es wird wieder mal Zeit für einen Café au Lait, den ich mir auf einer Dachterasse gönne. Hier oben ist es so schön und ruhig, dass ich gleich ein paar Stunden bleibe. Ich studiere meinen Reiseführer und schau mir das Treiben in den Gassen an. Auch das ist Urlaub für mich. Einfach mal die Seele baumeln lassen :-)

 

Am Donnerstag besuche ich Yves Saunt Laurant im Jardin Majorelle an. Ich nehme mir ein Taxi (immer schon vorher den Preis vereinbaren und um mindestens 50% runter handeln!!!) und lasse mich in die Neustadt fahren. Nach dem im Verhältnis hohen Eintrittspreis von 70 Dirham (etwa 6,50 Euro) - die anderen Sehenswürdigkeiten kosteten bisher je 10 Dirham - trete ich in den kühlen Garten ein. Er ist wirklich schön angelegt, aber mir persönlich zu struckturiert. Natürlich ist es schön das berühmte Haus in Majorell-Blau mit seinen Zitronengelben Akzenten zu betrachten, muss ich aber bei meiner nächsten Reise nach Marrakesch nicht mehr. Nach meinem Rundgang fahre ich wieder in die Altstadt und gönne mir ein Essen im Restaurant Argana. Der Couscous mit 7 verschiedenen Gemüse ist sehr lecker und der lieb gewonnen Café au Lait einfach fantastisch :-) Am Abend geh ich noch über den Platz und lasse ihn bei Trommeln und frisch gepressten Orangensaft ausklingen.

 

Freitag. Mein letzter kompletter Urlaubstag bricht an. Heute sehe ich mir die Tombeaux Saadiens (Saadier-Gräber) an. Es gibt nur ein Wort um diese Stätte zu beschreiben: PRÄCHTIG.

Die Saadier regierten von 1524 bis 1659 in Marrakesch. Im 18ten Jahrhundert beschloss Sultan Moulay Ismail alle Spuren dieser prachtvollen Dynastie zu zerstören und ließ alles zumauern. 1917 wurden diese Grabstätten wieder entdeckt und restauriert.

Vor einem der wundervoll verzierten Tore bleibe ich eine halbe Stunde sitzen und bin einfach nur beeindruckt. Danach stelle ich mich in die Schlange um auch die Hauptgräber anzusehen. Das warten lohnt sich und diese in weiß gehaltene  und wieder reich verzierte Halle ist atemberaubend schön.

 

Ich dachte, für heute kann das nicht mehr übertrumpft werden, aber ich irrte mich. Gleich neben den Saadier-Gräbern ist die Moschee de la Kasbah. Eine glockenklare Stimme dringt aus dem inneren hinaus auf die Straße und ich höre ihr gespannt zu. Dieser Gesang hat mich in diesen Moment voll ergriffen und ich bin so berührt von deren Schönheit, dass mir vor Freude die Tränen über meine Wangen laufen. Als dann noch der Muezzin zum Freitagsgebet (das wichtigste in der Woche) ruft und ich die ganzen Menschen sehe, die zum Gebet pilgern ist es um mich geschehen. Ich bleibe das ganze Gebet über vor der Moschee stehen und bete nach meiner Art mit. Obwohl ich kein gläubiger Mensch bin, kann ich doch sagen, dass ich mich nie zuvor Gott näher gefühlt habe. Ich bin glücklich und dankbar diesen Moment erlebt zu haben.

Nach dem Gebet gehe ich wieder zum Djemaa el Fna, esse eine Kleinigkeit und tauche nochmal in das bunte Treiben des Souks ein.

 

Ich muss gestehen, ich bin etwas wehmütig am nächsten Tag wieder nach Hause gehen zu müssen, da ich mittlerweile das Land und die Menschen hier liebe. Ich hatte als allein reisende Frau nie eine schlechte Erfahrung machen müssen. Natürlich halte ich mich an die Gepflogenheiten und laufe für arabische Verhältnisse nicht aufreizend durch die Stadt.

Als ich Sonntag früh in München stand und die betrunkenen Menschen um mich waren, fühlte ich mich deutlich unwohler als Nachts durch Marrakesch laufend.

 

Meine nächste Marokko Reise ist schon in Planung. Im November werde ich mir Fes, Meknes und Casablanca ansehen und wieder in mein geliebtes Marrakesch reisen. Ich freu mich schon darauf :-)

...und natürlich werde ich wieder davon berichten.

 

Johari